Liberale Grundsätze

Freiheit – Verantwortung – Toleranz

Alle Menschen sind verschieden. Sie unterscheiden sich nach Herkunft, Anlage, Erziehung, Fähigkeiten, Wissen, Problemen, Zielen und Glücksvorstellungen.

Alle Menschen wollen sich ihrer Individualität gemäß entwickeln. Sie streben von unterschiedlichen Positionen auf unterschiedlichen Wegen zu unterschiedlichen Zielen.

Damit alle Menschen ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen gemäß leben und sich selbst verwirklichen können, brauchen sie Freiheit.

Der Liberalismus ist das Bestreben, die Gesellschaft so zu gestalten, dass jeder Mensch ein Höchstmaß an Freiheit zur Selbstverwirklichung bekommt.

Selbstverwirklichung geschieht durch größtmögliche Selbstbestimmung und Mitbestimmung. Ohne Bereitschaft zu Selbstbestimmung und Mitbestimmung ist Freiheit nicht möglich.

Freiheit erfordert Verantwortung für das Ganze. Im liberalen Staat ist der Bürger oberste Instanz und damit verantwortlich für alles, was in seinem Staat geschieht. Nur wer in seinen Gedanken und Handlungen auch das Wohl des Ganzen berücksichtigt, schafft und sichert Freiheit.

Das Recht auf Selbstbestimmung und Mitbestimmung verpflichtet zu Toleranz. Toleranz ist die Anerkennung der Selbstbestimmung anderer und ihres Rechts auf Mitbestimmung.

Toleranz muss den Stil jeder politischen Auseinandersetzung prägen. Wer den Andersmeinenden verunglimpft, wer den Bürger nicht aufklärt, sondern nach demagogischen Rezepten manipuliert, ist der natürliche Gegner der Liberalen.

Größtmögliche Freiheit für alle Menschen setzt die weitest gehende Annäherung der Lebenschancen voraus; denn die Menschen sind für das Leben in Freiheit unterschiedlich gerüstet. Benachteiligte müssen gefördert, die Ursachen für die Benachteiligung bekämpft werden.

Die Förderung Benachteiligter versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe. Weitergehende Hilfe, die dem Geförderten ohne zwingenden Grund Aufgaben, Entscheidungen, Verantwortung und Risiko abnimmt, widerspricht gegen die mit der Selbstbestimmung verbundene Pflicht zur Selbstsorge.

Freie Menschen, die ihre Verschiedenartigkeit verwirklichen, schaffen eine pluralistische Gesellschaft. Die verschiedenen Daseinsformen und Problemlösungen werden erprobt und konkurrieren.

Daseinsformen und Problemlösungen, die sich bewähren, werden sichtbar. Sie können übernommen werden und schaffen „Fortschritt durch Vernunft“.

Die liberale Gesellschaft ist offen für die wechselnden Anforderungen einer sich wandelnden Gegenwart. Sie reformiert sich ständig. Sie gewinnt ein Höchstmaß an Kontinuität, da sich unerwünschte Zustände nicht verfestigen und revolutionsträchtige Situationen nicht entstehen können.

Die liberale Gesellschaft gewährt ein Höchstmaß an Gerechtigkeit; denn gerecht sein heißt, dem Menschen die größtmögliche Freiheit zur Selbstverwirklichung zu geben. Wo Freiheit herrscht, kann Ungerechtigkeit auf Dauer nicht bestehen.

Die Staatsform des Liberalismus und seiner pluralistischen Gesellschaft ist die Demokratie. Liberalismus und Demokratie sind untrennbar.

Der Liberalismus verspricht nicht unbeschränkte Freiheit, sondern größtmögliche Freiheit. Die Freiheit des Einzelnen endet, wo vorrangige Rechte des Nächsten oder der Gemeinschaft gefährdet werden.